Panorama-Nightride Stuttgart

Geschrieben von Armin Huber.

Perfekte Bedingungen für den ersten Panorama-Nightride Stuttgart gab es am letzten Samstagsradtreff der Winterzeit 2015/2016.
Radfahren als Erlebnis beim längsten Radtreff auf der höhenmeterreichsten Radtreffstrecke. 

Radtreff Stuttgart 2016 0044th WTB
Kurz unterhalb der Grabkapelle Württemberg

Eine Rennradtour in die Autofahrerstadt Stuttgart, geht das überhaupt und wie kommt man auf die Idee einer so ungewöhnlichen Tour?
Trotzdem man manche meiner Touren als Extremsport ansehen könnte, ist für mich das Erlebnis beim Radfahren schon seit vielen Jahren kein Nebeneffekt sondern Hauptmotivation dafür.
Touren nach Stuttgart sind gewissermaßen seit den Erkundungstouren für Touren zur Rad-WM 2007 in meinem Standardrepertoire. Im Pfeilarchiv findet man die Tour zur Deutschen Meisterschaft U23 auf der WM-Strecke, bei der auch unser Vereinsmitglied Nico Keinath Rennteilnehmer war.
Da ich in der Winterzeit beruflich im Raum Stuttgart war und nicht ganz außer Tritt kommen wollte, habe ich dort mehrere Nachtfahrten gemacht und es war aufgrund der Topographie nicht nur anstrengend, sondern auch schön.
So kam es zur Idee zumindest einen Teil der Strecke nachts zu fahren. Jetzt bedurfte es nur noch schönen Wetters für die Tour.

Weitere Bilder auf Picasa  Bilder von Armin Huber und Thomas Schindler
Strecke (minimal abweichend) auf GPSies (146 km, mit Tacho 2100 Hm gemessen)

Wer sich darauf einstellt, dass gleichmäßiges lockeres Pedalieren kaum möglich ist, trotz größerer Anstrengung der Schnitt deutlich niedriger ist als gewohnt und man auch vor Steigungen mit zweistelligen Prozentwerten nicht zurückschreckt ist man bereit für das Abenteuer. Ganz ohne Verkehr geht es nicht, aber doch mit überraschend wenig.
Ursache und Wirkung: Viele Höhenmeter ergeben nicht automatisch eine schöne Strecke, bei mir ergeben sich die Höhenmeter aus der schönen Streckenführung.

Auf bekanntem Terrain fahren wir über Dettenhausen und Weil im Schönbuch los, eine Rampe auf dem Radweg nach Böblingen ist ein erster Test für folgende Anstiege, dann folgt ein 5 km langer Hauch von Paris-Roubaix, bevor wir nach Kaltental hinunterfahren. Über die steile Hasenbergsteige gelangen wir auf den Birkenkopf, wo wir die erste traumhafte Aussicht auf Stuttgart haben.

Radtreff Stuttgart 2016 0003 Kopfsteinpflaster
"Paris-Roubaix"
Radtreff Stuttgart 2016 0007 Birkenkopf
Birkenkopf, Thomas mit der neuen Pfeil Windjacke
Radtreff Stuttgart 2016 0013 Birkenkopf
Radtreffgruppe auf dem Birkenkopf

Dann geht es weiter entlang der WM-Strecke von 2007 zum Bismarckturm und Killesberg. Wir fahren durch schöne Parkanlagen, vorbei an der Wilhelma und dem Schloss Rosenstein und dann den Neckar hinab.
Weinberge dürfen natürlich auch nicht fehlen bei solch einer Tour, sie versprechen zum einen sportliche Herausforderung, vor allem aber auch schöne Aussichten abseits des Straßenverkehrs.

Radtreff Stuttgart 2016 0029 Rosenstein
Schloss Rosenstein
Radtreff Stuttgart 2016 0035
Weinberge beim Max-Eyth-See

Nach unserem Verpflegungsstopp (mehr Energiezufuhr als kulinarischer Genuß) im Schloßgarten bricht an diesem Tag mit strahlendem Sonnenschein langsam die Dämmerung herein und neben sehenswerten Gebäuden wie Schauspielhaus oder Neuem Schloss sind auch die großen Bautätigkeiten für Stuttgart 21 zu bestaunen.

Villa Berg, Cannstatter Wasen und Mercedes-Benz-Arena und Museum stehen am Wegesrand, bevor wir den ersten größeren Anstieg bei Nacht in Angriff nehmen.
In den Weinbergen ist nichts mehr zu hören vom Treiben in der Großstadt, nur das große Lichtermeer unter uns können wir bewundern, der Zugang zur Grabkapelle ist (neuerdings?) nachts leider geschlossen, wir genießen die Aussicht von etwas unterhalb.

Radtreff Stuttgart 2016 Aussicht Wuerttemberg
Aussicht vom Württemberg (auf dem Bild sieht es heller aus als es war)

Nach der Abfahrt überqueren wir wieder den Neckar und an der B10 wird der Verkehrslärm, obschon deutlich niediger als tagsüber, als störender krasser Gegensatz zur absoluten Stille davor wahrgenommen.
Ein letzter Anstieg in Stuttgart und wir haben den Fernsehturm erreicht, auf der Aussichtsplattform auf 150m pfeifft ein eisiger Wind.

Radtreff Stuttgart 2016 0059 Fernsehturm Radtreff Stuttgart 2016 Fernsehturm
Radtreff Stuttgart 2016 0055 Fernsehturm
Radtreff Stuttgart 2016 Aussicht Fernsehturm

Nach der anstrengenden Strecke durch Stuttgart rollt es auf dem Heimweg zum Glück gut durchs Siebenmühlental und die beiden letzten Anstiege packen wir auch noch.
Bei 2°C erreichen wir Tübingen und nach 146 km und 2100 Hm ist die zeitlich längste Radtrefftour geschafft.