620 km in drei Akten

Geschrieben von Andreas Herrmann.

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Wie gut, dass es da noch die Mitstreiter gibt, die plötzlich unter uns auftauchen, wie leuchtende Perlen an einer Kette aufgezogen. Offensichtlich hatte sich jeder vor dem Regen irgendwo verkrochen und die gnadenlosen zweistelligen Steigungsprozente des „Hundlingsberges“ komprimieren das Teilnehmerfeld natürlich. Alle keuchen sich nach oben, nur um nach den ersten fünf Minuten der anschließenden Abfahrt in schweißtriefendes Schlottern zu verfallen. Doch der Hundhamer hat Geschwister, die den Randonneur mit saftigen (Steigungs-) Prozenten wieder aufwärmen.

Daemmerung1 Und so verbringt die Schar der Leuchtschnecken (bergauf) und –blitze (bergab) den Rest der Nacht damit, sich die erlösende Aral-Tankstelle in Bad Tölz herbeizusehen.


Hat man es endlich bis dorthin geschafft, ist die Dämmerung nicht mehr fern und man kann sich am Starnberger See im Morgengrauen und den ersten Alpenblicken im Morgenrot ergötzen. Wahlweise kann man auch ein Stündchen auf die extra aufgebauten Liegen in der Waschhalle der Tankstelle liegen. Toller Service!

randonneur hotel Den Sonnenaufgang erleben wir in besagtem Wartehäuschen, eingehüllt in eine Alu-Rettungsdecke. Ich unterbreche meine Power-Napping-Versuche immer wieder und mache Bilder vom auftauchenden Alpenpanorama und der erwachenden Natur um uns herum. hette


Gerade mal knappe 100 Kilometer haben wir zwischen der Pizzeria in Eggstätt und einem Bushäuschen in Hofstätt zurücklegen können.  Auch die anderen Radler scheinen zu rasten, denn während unserer einstündigen Pause sehe ich keinen unserer Truppe passieren. Und die, die wenig oder gar keine Pause machen, sind mittlerweile eh schon viel weiter. Der erste erreicht nach gerade mal 23 Stunden um 7 Uhr morgens das Ziel in Osterdorf. Respekt!

starnberger see   Zu diesem Zeitpunkt rollen wir gerade gemütlich in den Morgen hinein, nur um gleich wieder zu pausieren, um uns in einem Café ein standesgemäßes Frühstück zu gönnen. morgenstimmung

Die „endlose Phase“ beginnt. Fast zwei Drittel des gesamten Weges sind bereits zurückgelegt und noch immer liegen 240 Kilometer vor uns. Die Topographie ist immer noch hügelig und es ist abzusehen dass zu den bereits absolvierten 24 Stunden nochmals 12 hinzukommen werden. Radeln, essen, radeln, essen.

Und immer wieder herrliche Blicke auf die sich entfernenden Alpen. schneeberge