Tübingen - Zugspitze 2012

Geschrieben von Armin Huber.


Auf dem Gipfel der Zugspitze (2962 m)
Nur mit Muskelkraft und an einem Tag erreichte das in Tübingen gestartete RV Pfeil Gipfelteam (Georg, Armin, Andreas und Erna) mit dem Fahrrad und zu Fuß bei bestem Wetter am 27.07 um 17 Uhr Deutschlands höchsten Berg.



Auf dem Gipfel der Zugspitze (2962 m)

Nur mit Muskelkraft und an einem Tag erreichte das in Tübingen gestartete RV Pfeil Gipfelteam (Georg Fenzke, Armin Huber, Andreas Herrmann und Erna Kraus) mit dem Fahrrad und zu Fuß bei bestem Wetter am 27.07 um 17 Uhr Deutschlands höchsten Berg.
Nach 237 km Radstrecke (ohne Begleitfahrzeug) folgte noch der Schlussanstieg mit 1800 Hm, mehrere hundert Hm davon auf dem Stopselzieher Klettersteig.

Idee und Team
Eine große Tour beginnt im Kopf, und zwar genau am Freitag 29.08.2008.
Auf der Tübinger Hütte, nach der gelungenen Fahrradtagestour (und kurzer Restwanderstrecke) von Tübingen dorthin zum 100-jährigen Hüttenjubiläum ( Bericht auf der DAV-Seite), ist die Idee entstanden.
Aus eigener Kraft auf den höchsten Berg Deutschlands, ein genauso durch seine einfache Vorgabe bestechendes wie herausforderndes Ziel.
Georg Fenzke, der wohl am meisten mit MTB, Ski und zu Fuß in den Alpen unterwegs ist, war schon länger von den Vorhaben begeistert.
Mit Andreas Herrmann kommt noch ein weiterer Paris-Brest-Paris Finisher dazu, der die Tour auch als Vorbereitung für den Inferno-Triathlon mit gleich hoher Zielankunft nutzen will.
Komplettiert wird das Team von einem hochkarätigen Neumitglied des Pfeil, Erna Kraus ist nicht nur eine passionierte Wanderin, sondern seit Juni auch 600km-Brevet Finisherin.
Bei mir selbst ist nach etlichen größeren Gipfeln wie Montblanc (2000) oder Kilimanjaro (2006) das Bergsteigen in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden, es ist also Zeit mal wieder aktiv zu werden.

Die Fahrradtour Tübingen - Tiroler Zugspitzbahn Talstation
27.07.2012, 0 Uhr, Uhlanddenkmal Tübingen
Ein Start um Mitternacht ist für eine große Gipfeltour z.B. in den Westalpen durchaus nichts
ungewöhnliches. Für die Zugspitze schon, aber das Uhlanddenkmal in Tübingen ist auch nicht der übliche Ausgangspunkt. Alles was wir für den Gipfelaufstieg brauchen nehmen wir auf den Rädern mit.


Kurz vor Mitternacht, das Team ist fast startklar

0 Uhr am Uhlanddenkmal, ein Fotograf konnte spontan gewonnen werden

Wir müssen leider draussen bleiben

Frühstück in Kempten

Die erste Verpflegung um 3 Uhr in Riedlingen kann leider nur etwas spartanisch über den Nachtschalter einer Tankstelle erfolgen und ganz zufällig will dort auch noch die Rennleitung über unser ungewöhnliches Treiben informiert werden.
Die nächste Verpflegung ist noch weit und Andreas wird auf der Suche nach Wassernachschub dazwischen erst nach sehr hartnäckiger Suche fündig. Dafür rollen wir bei herrlicher Morgenröte in das Allgäu hinein. Vor 7 Uhr erreichen wir Kempten und nach kurzem Flaschen füllen in einer Tanke fällt das Frühstück in einer Bäckerei abseits der Strecke deutlich genußvoller aus.


Eine 300 m lange Baustelle, da kommt man mit dem Rad (fast) immer durch, ohne Brücke auch wir nicht

Wir sind bereits in den österreichischen Alpen unterwegs

Der "kleine Aufwecker" (Untergrund) und die Umleitung bei Oy sind nicht eingeplant, aber wir rollen unaufhaltsam an den ersten Bergen vorbei nach Österreich. Hinter Reutte geht es dann auf der Fernpassstraße aufwärts, guten Gewissens können wir das nur ausgesprochenen Masochisten empfehlen, ein Auto reiht sich an das andere, aber da muss man durch. Zudem lässt einen auch die Temperatur jetzt ganz schön ins Schwitzen kommen.


Um 11:15 Uhr ist der Großeinkauf in Lermoos getätigt

Das Zugspitzmassiv haben wir auf den letzten flachen Kilometern im Blick

Mit dem gern propagierten lockeren Ausrollen ist es nichts auf dem brachialen Schlussanstieg

Alles klar für den Aufstieg zur Zugspitze (der Gipfel ist oben ganz klein zu sehen)

Nach der großen Verpflegung in Lermoos lässt der Schlussanstieg von Ehrwald zur Seilbahnstation in der Mittagshitze nochmal den Schweiß in Strömen rinnen. Die Radstrecke ist nach 237 km und läppischen 2600 Hm geschafft. Dank Organisationstalent Andreas können wir die Räder und Zubehör bei der Tiroler Zugspitzbahn in einem Raum neben der Kasse sicher verstauen und uns wanderfertig machen.

Die Bergtour Tiroler Zugspitzbahn Talstation - Zugspitze über Stopselzieher
Um 12:25 Uhr beginnt die Wanderung, das Schild gibt 6 Stunden Wanderzeit auf den Gipfel an (in der der Beschreibung sind 5 Stunden angegeben).
Auf einer großen Schneise geht es steil hinauf, vom von Erna erhofften Schatten ist weit und breit nichts zu sehen.


Willkommene kleine Erfrischung am Wegesrand

Querung eines Schneefelds nach Rast in der Wiener-Neustädter-Hütte

Über den gesicherten Georg-Jäger-Steig erreichen wir die Wiener-Neustädter-Hütte auf 2213 m, wo wir kurz Einkehren. Um 3 Uhr starten wir zur letzten Etappe, nach weiteren 100 Hm durch das Schneekar steigen wir in den Klettersteig mit dem Stopselzieher ein, dem spektakulären Finale.


Durchgang durch ein Felsentor am Stopselzieher

Georg auf dem Klettersteig

Tourenführer Armin (fotografiert von Erna, die ich nur einholen konnte wenn ihre Schwatzpausen mit entgegenkommenden Wanderern länger ausfielen als meine Fotostopps)

Die wie eine leichtfüßige Gämse hinauftänzelnde Erna war kaum zu bremsen.
Bei einer Verschnaufpause kann man die Aussicht nach Westen geniessen

Andreas hat den Gipfelgrat erreicht, der Ausblick reicht jetzt auch nach Süden und Osten.

Wir nähern uns den Gipfelgebäuden

Auf über 2800 m erreichen wir den Gipfelgrat, aber der Gipfel ist noch nicht so greifbar nah wie er erscheint und die dünnere Luft ist auch schon etwas zu spüren.

 

 


Erna und Andreas am Gipfelgrat, links ist der Skitourismus erkennbar

Wir überqueren den jetzt fast leeren "Rummelplatz" auf der Zugspitze, hinter Erna das Münchner Haus

Auf den letzten Metern zum Gipfel

Am Gipfelkreuz auf der Zugspitze (Ostgipfel, 2962 m)

Wir überqueren den jetzt fast leeren Rummelplatz der Zugspitztouristen, gehen eine Treppe hinunter zurück in den alpinen Gefahrenbereich, ziehen uns eine letzte Leiter hinauf, noch ein paar Schritte bis zum Gipfelkreuz, wir sind oben !!!!!
Nicht mehr ganz taufrisch, aber überglücklich haben wir um 17 Uhr unser großes Ziel erreicht.
Es gibt keinen Zielstempel, aber eine grandiose Aussicht.


Gebäudekomplex auf der Zugspitze

Nudelessen auf der Terasse

Der Wirt erzählt uns, dass heute wieder etwa 7000 Touristen auf der Zugspitze waren, geschätzte 100 davon zu Fuß. Jetzt sind nur noch die Übernachtungsgäste oben, keine 30.
Um 18 Uhr können wir die Schlafplätze einer angemeldeten Gruppe übernehmen die nicht gekommen ist, wir müssen kein Notlager beziehen (wobei wir damit als Randonneure gewiss kein größeres Problem hätten).
Wir geniessen die Abendsonne und die Aussicht auf der Terasse.
So ein Tag, so wunderschön wie heute ...


Startklar am Münchner Haus nach der Übernachtung

Gipfelkreuz in der Morgensonne, was ist das nächste Ziel?

Der Rückweg erfolgt nach der Übernachtung in Deutschlands höchstem Haus ganz unspektakulär mit der Seilbahnabfahrt, einer kurzen Abfahrt zum Bahnhof und mit dem Zug.
Das herausragende Ziel einer solchen Tour ist sicher die Zugspitze, aber alle Tübinger Zugspitzbegeher waren sich einig, dass dies nicht die letzte kombinierte Tour gewesen sein soll, Ziele für die nächste Tour sind schon im Gespräch.
Für mich war es die schönste Herausforderung des Jahres. Erna, Andreas und Georg, es hat riesigen Spaß gemacht mit euch unterwegs zu sein.

Text und Fotos: Armin Huber
(Fachwart Rennrad RV Pfeil Tübingen, Mitglied in der Alpenvereinssektion Tübingen seit 1986)