Fleche Allemagne

Geschrieben von Andreas Herrmann / Armin Huber.

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Tübinger Fleche Team auf der Wartburg
Jochen, Jürgen, Andreas, Bianca und Armin sowie Ingbert

Das Team des RV Pfeil Tübingen hat beim Fleche Allemagne (Sternfahrt zur Wartburg an Himmelfahrt, mind. 360 km in 24h) das Ziel nach gefahrenen 410 km erreicht.
Strecke, Wetter und Fahren als Gruppe - alles bestens.


Fleche Fahrer des RV Pfeil Tübingen auf der Wartburg
Team RV Fleche Tübingen mit Jochen Leissner, Jürgen Hengst, Andreas Herrmann, Bianca Saile und Armin Huber sowie Ingbert Gerngroß (Team Champagneure)

Das Team des RV Pfeil Tübingen hat beim Fleche Allemagne (Sternfahrt zur Wartburg an Himmelfahrt, mind. 360 km in 24h) das Ziel nach gefahrenen 410 km erreicht.

Flèche Allemagne 2012 von Kirchentellinsfurt auf die Wartburg bei Eisenach
(Text: Andreas, Fotos: Andreas + Armin)
Der "Fleche Allemagne" ist eine Sternfahrt für Langstreckenradler (franz. „Randonneure“). Hierbei müssen Teams aus 3 bis 5 Fahrern auf einer selbstgeplanten Strecke auf die Wartburg bei Eisenach/Thüringen radeln. Das Team hat hierfür genau 24 Stunden Zeit und muß mindestens 360 Kilometer zurücklegen. Wichtig ist außerdem die Regel, daß mindestens 25 Kilometer innerhalb der letzten zwei Stunden absolviert werden müssen. Dadurch wird verhindert, daß die ganze Aktion zu einem wahnwitzigen Rennen ausartet. Legt man die Strecke zu schnell zurück, muß man warten. Dieser Aspekt erwies sich für das Tübinger Team als nicht ganz unrelevant, wie wir später sehen werden.
Der RV Pfeil Tübingen stellte erstmals ein komplettes Team namens „RV Fléche Tübingen“. Die bärenstarke Bianca Saile war das Prunkstück einer homogenen Mannschaft, die außerdem noch mit den zwei Bergziegen und Teilnehmern des Race Around Austria 2012 Jochen Leissner und Jürgen Hengst, sowie den beiden Finishern der letztjährigen Austragung von Paris-Brest-Paris Armin Huber und Andreas Herrmann besetzt war.
Pfeil-Präsident und Streckenplaner Jochen schneiderte eine wunderschöne und anspruchsvolle Route mit insgesamt ca. 410 Kilometern und 4.200 Höhenmetern.


Start an der Tankstelle in Kirchentellinsfurt

Fachmännische Pannenbehebung

Start war am Vatertag um 9 Uhr morgens an der Tankstelle in Kirchentellinsfurt. Bei sonnigem Wetter und sehr frischen Temperaturen wurde durchs Neckartal in Richtung Nürtingen Fahrt aufgenommen. Schon in Mittelstadt schlug der Pannenteufel zu. Durch einen Plattfuß und abgelenkt durch die rasante Kurventechnik unserer Dame küsste einer der Herren eine Verkehrsinsel, die diesen Annäherungsversuch brüsk abwehrte. Nachdem der Plattfuß und andere Sturzfolgen fachmännisch behoben waren, kurbelte unser fröhliches Grüppchen über Kirchheim nach Göppingen. Dort wurde der erste Kontrollstempel besorgt und der Treibstofftank für den ersten Höhepunkt der Tour, den Anstieg zum Hohenstaufen, befüllt. Zügig ging es auf den höchsten Punkt der gesamten Strecke. Oben gab es eine wunderschöne Panoramasicht auf die anderen Kaiserberge, die Schwäbische Alb und das nächste Ziel, den Welzheimer Wald, zu bestaunen.


Schwäbische Alb vom Hohenstaufen

Schwäbisch Hall

Durch das zauberhafte Haselbachtal kletterten die Pfeiler hinauf nach Alfdorf im Welzheimer Wald. Mit teils saftigen Steigungen und Abfahrten ging es munter weiter bis Gaildorf und an der Kocher entlang nach Schwäbisch Hall. Bei Braunsbach wurde das schöne Tal der Kocher verlassen und die Strecke führte auf welligem Terrain durchs Hohenlohische bis nach Rothenburg ob der Tauber. Das weltberühmte Innenstädtchen blieb vom Pfeiler Team verschont. Weitaus mehr Beachtung fand der Burgerking außerhalb der Stadtmauern, wo wieder Kohlenhydrate für den Ritt nach Schweinfurt getankt wurden.


Kopf einziehen, die Kochertalbrücke ist nur 1,85 hoch (Hektometer)

Gruppe mit Blick auf
Rothenburg ob der Tauber

Kontrollstelle 3 im Burgerking

Weiterfahrt von Rothenburg

Der Höhepunkt dieses Abschnitts stellte eine halbstündige Abfahrt entlang eines schmalen Bachtales dar. Durch ganz leichtes Gefälle unterstützt, flogen die Flécher geradezu nach Marktbreit am Main, einem mittelalterlichen Fachwerk-Kleinod.


Marktbreit am Main

Marktbreit am Main

Dem Verlauf des Mains folgte die Strecke bis Schweinfurt (km 270). Unterwegs mußte bei Volkach in den Weinbergen zur Abwechslung auch mal eine richtig steile Rampe bezwungen werden.
Von 22 Uhr bis Mitternacht wurden in der „Metropole“ Schweinfurt italienische Nudelspeisen und Pizzen konsumiert. Auch nach zwei kompletten Hauptgängen fand mancher Magen noch Platz für ein riesiges Tiramisu und Kaffee. Solchermaßen gestärkt, zündete die Truppe den Turbo und brannte sich durchs immer kälter werdende ehemalige Zonenrandgebiet bis Meiningen, wo wir unser Nachtlager im Bahnhof aufschlugen.


Nachtfahrt des Fleche Teams

Auch im Bahnhof den anderen noch haushoch an Eleganz überlegen

Trotz ausgiebiger Pausen waren zweieinhalb Stunden auf den Marschplan herausgeradelt worden. Außerdem waren es nur noch 3 Grad Lufttemperatur. Da kam die relative „Wärme“ der Bahnhofshalle des thüringischen Städtchens gerade recht. Einige Nachtschwärmer, die offensichtlich auf den ersten Zug nach Hause warteten, leisteten den Tübingern Gesellschaft. Es war nicht festzustellen, welche Gruppe sich in einem derangierteren Zustand befand: die laut Musik hörenden und offensichtlich nicht mehr ganz nüchternen Zugwarter; oder die verschwitzten, schniefenden, frierenden Radler. Kommunikationsversuche waren zwecklos, da sich die bereits Anwesenden nur mittels gutturaler Laute verständlich machen konnten und die clickpedalbewehrten Neuankömmlinge ziemlich schnell auf den bockharten und trotzdem einladenden Bahnhofsboden sanken und bald ähnliche Geräusche von sich gaben.


Frühstück in Bad Liebenstein

Kurz vor dem Schlussanstieg

Pünktlich um kurz nach fünf Uhr wurden die treuen Untersätze wieder in Betrieb genommen auf dem Weg zur „7-Uhr-Kontrolle“. Nach dort ausgiebiger Frühstückspause wurden die letzten schweren Kilometer mit nochmals 500 Höhenmetern durch die Hügel Thüringens in Angriff genommen. Immer noch waren keinerlei Anzeichen von Schwäche, Müdigkeit oder gar Schlafbedürfnis in der Tübinger Mannschaft festzustellen. Insbesondere Bianca, die 2012 zum ersten Mal in Ihrem Leben mehr als 250 Kilometer an einem Tag zurückgelegt hatte, schlug sich bravourös. Mit unbändigem Kampfgeist schraubte sie sich die Anstiege hoch und machte auf den flacheren Abschnitten gewaltig Druck.
23 Stunden Radtour durch Deutschland waren absolviert. Jetzt trennte die Pfeiler nur noch der brachiale Kopfsteinpflaster-Anstieg zur Burg vom ersehnten Ziel. Völlig ausgepumpt und überglücklich wurde schließlich um 8.30 Uhr der Vorplatz der Wartburg erreicht.


Die letzte Rampe mit über 20%
Beschreibung auf Quaeldich

Geschafft !!! Letzte Stempelstelle

Jürgen Jochen, Bianca, Andreas und Armin vor der Wartburg

Fleche Team vor der Wartburg

Ein herrlicher Morgen mit strahlendem Sonnenschein belohnte die Kilometerfresser mit spektakulären Blicken auf Thüringen. Fast 200 Teilnehmer versammelten sich mit der Zeit auf der Wartburg. Der letzte Kontrollstempel wurde abgeholt und ausgiebige Photosessions dokumentierten das Gipfelglück der Randonneure, bevor es wieder abwärts nach Eisenach ging.


Randonneure vor der Wartburg

Ingbert Gerngroß (Team "Champagneure")

Team RV Fleche Tübingen mit Ingbert

Volker Schumacher
(Team "S´ goad no")

Nach dringend benötigter Dusche traf sich die große Gemeinde von Randonneursfreunden aus ganz Europa im Biergarten Storchenturm. Bei diversen Erfrischungsgetränken wurden noch stundenlang Anekdoten ausgetauscht, bis die Tübinger Truppe von der Deutschen Bahn wieder gen Heimat entsorgt wurde.
Ein wirklich tolles Erlebnis! Vor allem endlich einmal wieder eine Langstrecke, die nicht durch stundenlangen Regenfall beeinträchtigt wurde! Die komplette Mannschaft des RV Pfeil freut sich jetzt jetzt schon auf die nächste Austragung in 2 Jahren.


Fleche Medaille

Team RV Fleche Tübingen mit Ingbert

Und hier noch der tolle Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 24.05.12
(Anm der Red.: Wir waren überhaupt nicht im Randonneur-Hotel, da hat der Vorsitzende etwas falsch aufgeschnappt)