Erlebnis Alpenbrevet Meiringen 2010

Geschrieben von Andreas Braun.

Text und Bilder: Michael Stempel

2 Pfeiler + 2 Stempels beim Alpenbrevet Meiringen/ Schweiz

Trotz teilweise garstigem Wetter ein schönes Natur- und Sporterlebnis !

 

Letzten Donnerstag (12.08.2010) fiel die Entscheidung: Nachdem die Wettervorhersage wieder etwas besser aussah, meldeten wir ( Christian Achnitz, mein Bruder Matthias Stempel und ich) uns kurz entschlossen zum Alpen-Brevet Meiringen (14.08.2010) für die "mittlere Strecke Gold 5294 HM / 176 KM" an. Mein Bruder (FDS /Schwarzwald) , der vor 6 Wochen nach 2 jähriger Pause überhaupt wieder mit Sport begonnen hatte, entschied sich für die "kleine Silber Strecke 3800 Hm /132 KM". Froh, daß wir angemeldet waren und eines der letzten Hotelzimmer im Umkreis v. 15 km ergattern konnte, freuten wir uns auf das Event zwei Tage später. Am nächsten Mittag, kurz vor Abreise die Ernüchterung: nicht nur die Wetterprognose hatte sich deutlich verschlechtert sondern gleichzeitig wurde ein gewaltiger Felssturz am ersten Pass ( Grimsel) bekanntgeben. Damit wurde die Durchfahrt in Rhonetal (Wallis) und gleichzeitig die Weiterfahrt über den höchsten Schweizer Pass Nufenen ins Tessin unmöglich. Damit nicht 1500 Radfahrer umsonst die Reise nach Meiringen gemacht hatten, wurde als Ausweichroute eine Wendestrecke über Susten - Andermatt - Gotthard - Airolo und zurück bekanntgegeben ( und retour d.h.die beiden Pässe mussten je 2 x befahren werden) mit annähernd gleichen Distanz/Höhenwerten zur Ursprungsroute.
Nach Schweizer Raclette am Abend in unserem gemütlichen Hotel, starteten wir (im Gegensatz zur Starthektik beim Ötztaler) gemütlich um 6.45 Uhr im Ortzentrum von Meiringen.

Die auf den ersten 6,5 km gesperrte Strecke, ging nach kurzem Zwischenanstieg zur Aareschlucht in den 27 Km ( 1599 HM) langen West-Anstieg zum Susten Pass über. Zitat Quäl Dich.de: "Auf den vollen 27 km zählt diese Auffahrt zu den landschaftlich schönsten der Alpen und ist dabei sehr angenehm zu fahren. Nur kurz vor der Passhöhe erreicht die Steigung kurzfristig 10 %, auf dem Großteil der restlichen Auffahrt liegt die Steigung deutlich darunter". Nachdem der Sprecher am Start uns noch zum Wetterglück gratuliert hatte, kam nach 10 KM Passfahrt dann doch eine Dusche von oben, die sich erst 5 KM vor der Passhöhe wieder legte und wir sogar etwas Sonne erleben durften.

Christian Achnitz bei der Abfahrt vom Susten-Westseite

 

Richtig garstig wurde dann aber die Abfahrt Richtung Gotthard Autobahn, da bei Nässe und 5 Grad man unten doch ziemlich durchgefroren ankam ( hier gab es auch die ersten Aufgaben). Nachdem wir - Christian und ich gemeinsam den Pass geschafft hatten, war er bergab (als wohl schnellster RV Pfeiler Abfahrer) wie immer nicht zu halten. Da er aber als treuer RV Pfeiler Vereinskamerad in Wassen auf mich gewartet hatte, konnten wir gemeinsam den Anstieg über Andermatt zum Gotthard in Angriff nehmen. Leider hatten diese Idee auch viele Autofahrer, die dem Stau vorm Gotthardtunnel auf der Reise nach Italien,entfliehen wollten. Somit waren die folgenden 8 Km nach Andermatt, der mit Abstand unattraktivste Teil der
Strecke. In Andermatt angekommen stärkten wir uns nochmals, um dann die letzten 650 Hm auf dem Pass in den italienisch sprachigen Teil der Schweiz anzutreten. Inzwischen mit deutlich weniger Verkehr, war nur der Gegenwind und das Kopfsteinpflaster auf den letzten 1,5 km etwas lästig.

Die Abfahrt ins Tessin fand dann Gott Sei Dank, bis auf den letzten Teil - auf der neu ausgebauten Gotthardstrasse statt. Die berühmte Tremola Kopfsteinpflasterstrecke mit Ihren vielen Serpentinen blieb uns für den nachfolgenden 1000 Hm Anstieg vorbehalten.

Michael Stempel und Christian Achnitz im Hintergrund am Gotthardpaß Tessiner Seite

 

Nachdem uns kurz die südliche Sonne in den unteren Serpentinen kurz aufgewärmt hatte, setzte bald wieder das Gotthard übliche kühle Nebelwetter ein. Da ich beim Alpenbrevet 2008 doch stark unter der Hitzeschlacht am letzten 1400 Hm /22 Km Aufstieg zum Susten gelitten hatte, war ich froh daß diese Wetterlage (leichter Nieselregen, weiter oben Nebel/ Wolken) bis zum Pass anhielt. Nachdem wir in der ersten 10 Km des Susten Ost Anstiegs nur noch vereinzelte Radfahrer aus der Silbertour überholten, konnten wir dann bis zur letzten Passhöhe noch eine Reihe von Gold Fahrern Einsammeln.

Michael Stempel und Christian Achnitz bei der letzten Kehre des Susten von der Ostseite

 

Als besonderen Service durfte ich dann in der Abfahrt ins Ziel noch Windschatten eines Rennleitung Motorrads geniessen ( der mir diesen sogar angeboten hatte), so daß ich die Lücke zum schnellen Abfahrer Christian wieder schliessen konnte und wir fast zeitgleich ins Ziel kamen - wo mein Bruder bereits seit 3 h nach erfolgreicher SilberTour auf uns wartete.

Michael beim ersten Aufstieg auf den Susten von der Westseite

 


Fazit: Tolle Organisation + Verpflegung und trotz teilweise garstigem Wetter ein schönes Natur- und Sporterlebnis!

Michael Stempel