Race across the Alps 2009

Geschrieben von Armin Huber.

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Armin Huber beim RATA

Geschafft !!
Nach 26h 34min bin ich als Achter und schnellster Deutscher im Ziel des RATA angekommen, das mit 525 km und ca. 13000 Hm als "härtestes Eintagesradrennen" gilt.
Es war nicht durchgehend ein Vergnügen, aber ein großes Erlebnis und viele Stunden Freude am Radfahren.

Beim etwas anderen Bericht zum RATA 2009 gibt es auch Links zu Beschreibungen von allen Pässen und Infos von meinen tollen Trainingstouren.

 

Geschafft !!


Armin Huber
Am 20. Juni 2009 bin ich nach 26h 34min als schnellster Deutscher und insgesamt Achter im Ziel des "härtesten Eintagesradrennens" mit 525 km und ca. 13000 Hm (Roadbook 12697 Hm, GPS 13650 Hm, tatsächlich irgendwas dazwischen) angekommen.
www.raceacrossthealps.at
Vielen Dank vor allem an meine tollen Begleitfahrer Andreas Schiller und Steffen Warias, aber auch an alle die mir Material ausgeliehen und mich moralisch unterstützt haben. Und last not least an Peter Wörz und Ingeborg von Stockum für die tolle Pressearbeit.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch RV Pfeil Streckenchef und RATA-Finisher Armin Huber.

Genuß beim RATA ? Aber sicher !
Aufgrund des schlechten Wetters war die Freude am Radfahren zeitweise stark eingeschränkt, aber es hat auch über größere Strecken viel Spaß gemacht. Und bereits am Tag danach bin ich beim Dreiländergiro schon wieder locker übers Stilfser Joch gefahren.
Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte und so geht der Bericht erstmal los mit einigen Impressionen vom RATA.
Ausführliche Berichte zu einigen Vorbereitungstouren gibt es auf den nächsten Seiten unter Vorbereitungstouren, allgemeine Infos zu meiner "Radsportkarriere" unter Info.
Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 26.06.2009 Ein Extremsportler ohne Extreme (von Peter Wörz)
Ich sehe mich aber nicht als Radrennfahrer, vielleicht nicht einmal als Rennradfahrer, nicht als einen Extremsportler sondern einfach als jemand, der auf dem Rad weiter fährt, über die Vorstellung des normalen Radfahrers hinaus.

Auf den Bildern sieht es ja schon mal sehr schön aus.
Falls ihr ganz andere Berichte vom RATA 2009 gelesen habt: Ich bin zur gleichen Zeit auf der gleiche Strecke gefahren wie die anderen Teilnehmer, aber es waren auch 49 unterschiedliche FahrerInnen am Start und jeder hat es anders erlebt.

Die Vorbereitung in Kürze
An eine Teilnahme beim RATA gedacht habe ich erstmals nach der erfolgreichen Teilnahme beim Alpenbrevet, der etwa die halbe Streckenlänge und Höhenmeter des RATA hat. Ich fahre hauptsächlich zum Spass und als Verkehrsmittel mit dem Fahrrad, aber ab und zu habe ich schon gerne eine sportliche Herausforderung.
Das Abenteuer RATA begann mit der Suche nach Begleitfahrern, die im letzten Jahr leider erfolglos blieb.
Für 2009 meldeten sich Andreas und Steffen und so habe ich mit der Bewerbung den ersten Schritt zur Teilnahme gemacht.
Die Vorbereitung begann mit 1001 km in der ersten Februarwoche auf Mallorca, während der die Startplatzzusage von Gernot Weinig eingetroffen ist.
Um mich einigermassen vorbereiten zu können und wegen starker beruflicher Auslastung habe ich mich entschlossen beim RV Pfeil organisatorich etwas kürzer zu treten und daher zumindest für dieses Jahr kein Amt zu übernehmen. Ich bin aber weiterhin im Pfeil als Tourenführer aktiv, wenn auch nicht mehr im Ausmass der letzten Jahre (2007 und 2008 jeweils an über 60 Tagen als Tourenführer beim Radtreff, Tages- und Mehrtagestouren). Meine konditionelle Hauptvorbereitung waren 4 Marathonstrecken über Ostern, bei zwei Brevets Nachtfahrten (640 km in 28 h und 630 km in 26 h) sowie eine 9-tägige Deutschlandtour mit vielen Mittelgebirgsanstiegen.
Insgesamt legte ich bis zum RATA ca. 2500 km mit dem Rennrad und 10000 km mit dem Trekkingrad zurück.

Die organisatorische Vorbereitung lief leider nicht wunschgemäß und ich kann sie nicht zur Nachahmung empfehlen. Wie schon bei einigen größeren Touren zuvor war ich leider wieder bis kurz vorm Rennen im Stress und nicht so erholt wie man es vor so einer großen Herausforderung sein sollte, aber nach der Ankunft am Donnerstag gegen 16 Uhr in Nauders hatte ich immerhin noch einige Stunden zur Regeneration vor dem Rennbeginn.
Nach der Abholung der Startunterlagen brachte ich die Cleats meiner Ersatzschuhe in Ordnung und kaufte angesichts der sehr bescheidenen Wetterprognose noch schnell neue Überschuhe ein. Nach der Streckenvorstellung wurden beim Büffet die Energiespeicher aufgefüllt und nach ein paar Runden im Schwimmbad des Hotels habe ich gut geschlafen.

Am Renntag 19. Juni 2009
Abgesehen von den von mir geführten Alpen- und Langstreckentouren des Vereins bin ich zum ersten Mal mit Begleitfahrzeug unterwegs. Ich habe aber volles Vertrauen, dass Steffen und Andreas, der bereits bei der Tagestour Tübingen-Comer See das Begleitfahrzeug gesteuert hat, ihre Sache gut machen werden.
Vier Punkte schätze ich im Vorfeld als besonders wichtig ein
1) den Mortirolo als steilsten Pass (bin ich noch nie gefahren)
2) den langen Anstieg zum Berninapass bei Nacht (kenne nur die obersten 250 Hm)
3) das Stilfser Joch über den Umbrailpass als letzter harter Anstieg
4) und natürlich das Wetter, zumindest die von mir ungeliebte Hitze ist aber kaum zu befürchten

Wir kaufen noch etwas Lebensmittel ein (mit der mitgeführten Verpflegung hätte ich die Runde wohl locker zweimal fahren können, aber lieber etwas zuviel als zuwenig) und dann geht es zum Start auf dem Postplatz in Nauders. Dort treffe ich dann auch meinen Brevetmitfahrer Peter Fassbaender, der neben Alfred mit einem RATA-Finisher einen ganz starken Begleitfahrer hat, der uns noch letzte Tipps gibt.
Ich verspüre eine positive Anspannung vor meinem ersten richtigen Radrennen, das gleich eines der härtesten überhaupt ist und ein sehr exklusives Starterfeld hat. Es ist kühl aber trocken, also ideale Bedingungen für mich.

Start in Nauders (12:00)

Kurz vor dem Start auf dem Postplatz in Nauders
Das RATA 2009 hat begonnen

Punkt 12 Uhr schlagen die Glocken und das härteste Eintagesradrennen hat begonnen.
Es geht durch den Ort und dann auf die Hauptstraße zum Reschen in flottem Tempo. Nicht zu weit hinten fahren, die Mädels lassen bestimmt abreissen, hat man uns noch mitgegeben. Nichts gegen die Frauen, aber schon vor dem Reschenpass sind tatsächlich die ersten abgehängt. Am Reschensee entlang ist das Tempo nicht übermäßig hoch und ich fahre mit Peter entspannt am Ende des Felds. Im großen Zickzack hinunter nach Mals kommt der Wind etwas lästig von der Seite und ich muss mich kurz wieder herankämpfen, erreiche aber dann in der Gruppe Spondinig, wo wir zum Stilfser Joch abzweigen.

Hinweis zu den nachfolgend angegebenen Zeiten:
Es ist jeweils die Zeit der SMS auf dem Pass angegeben, die etwas von der tatsächlichen Zeit abweichen kann.
Daneben ist jeweils der Link zur Passbeschreibung auf quaeldich.de angeführt für alle, die etwas mehr über den Anstieg wissen wollen.

Stilfser Joch (14:35)
http://www.quaeldich.de/paesse/stilfser-joch/

Im unteren Teil des Stilfser Jochs vor Trafoi,
wo es noch etwas flacher ist
Bei der Franzenshöhe sind die berühmten
Serpentinen und ganz oben die Passhöhe zu sehen


Bis Prad geht es noch im großen Feld und dann beginnt der Ernst. Für mich ist das Stilfser Joch in diesem Jahr der erste Alpenpass und mit dem Rennrad der erste Anstieg, der über einen Albanstieg hinausgeht. Das Feld fällt auseinander, ich wünsche Peter noch eine gute Zeit und erhöhe dann etwas mein Tempo.
Unten empfängt uns der Stelvio gleich mit kräftigem Regen, aber bergauf macht mir das wenig aus. Ich überhole gleich einige Fahrer und es läuft ganz gut. Der Regen hört auf und im oberen Teil scheint die Sonne. Ich sehe etwas hinauf zu den schneebedeckten Gipfeln der Ortlergruppe und es ist eine wahre Freude die 48 Kehren des Stilfser Jochs hinauf zu fahren. Oben werde ich von meinen Begleitern mit der Nachricht überrascht, dass ich als Siebter die Passhöhe erreicht habe. Ob ich in der Euphorie vielleicht doch etwas zu schnell gefahren bin? Egal, das Bergauffahren ist im Gegensatz zum Abfahren auch meine Stärke. Und die Abfahrt nach Bormio geht es trocken hinunter, das ist auch schon etwas wert, nur in den dunklen Tunnels muss man etwas aufpassen.

Passo di Gavia (16:51) http://www.quaeldich.de/paesse/passo-di-gavia/
Ab Bormio erwartet mich ein neuer Anstieg, den Gavia bin ich bisher nur von der anderen Seite gefahren bei meiner Alpentour im Jahr 2000, damals gab es oben Schneeregen. Unten ist es trocken aber dann kommt auch schon wieder der kalte Regen, ich fahre ganz ordentlich hoch aber deutlich schwächer als am Stelvio, meine Begleiter befürchten schon einen größeren Einbruch. Oben ist es kalt und ich halte mich dort nicht lange auf. Die Abfahrt auf der schmalen Straße bei Nässe ist überhaupt nicht mein Ding und ich "verliere" einiges an Zeit, aber fürs Durchkommen ist nur wichtig, dass ich sicher unten ankomme.

Passo dell Aprica (18:38) http://www.quaeldich.de/paesse/passo-dell-aprica/
Ab Ponte di Legno ist die Strecke komplettes Neuland für mich. Es geht nur noch leicht bergab bis Edolo und es hört auf zu regnen.
Bei der Auffahrt von Edolo zum Passo dell Aprica scheint die Sonne und es ist sehr angenehm zu fahren, zumal die Steigunsprozente auch sehr gering sind. Auch die Abfahrt auf der gut ausgebauten Straße Richtung Tirano ist gut zu fahren.

Mortirolo (20:58) http://www.quaeldich.de/paesse/passo-del-mortirolo/

"Pantanikurve" am Mortirolo
Die Begleitfahrer warten oben am Pass


Zunächst geht es von Tirano wellig bis Mazzo, wo der Anstieg zum Mortirolo beginnt. Andreas und Steffen stehen mit dem Auto an der Abzweigung, damit ich diese auch nicht verpassen kann.
Vom Mortirolo gibt es ja viel zu lesen und jetzt fahre ich zum ersten Mal diesen steilsten Anstieg des RATA hinauf. Der Anstieg ist mit mehreren Kilometern im zweistelligen Prozentbereich wirklich hart, aber mit meiner Übersetzung von 34-27 problemlos zu fahren. Die Steigung bleibt aber immer deutlich unter 20% und so manche Geschichte ist einfach in die Kategorie der Märchen einzuordnen. Der obere Teil ist etwas leichter und ich erreiche den Pass noch bei Tageslicht und Trockenheit.
Ich halte oben nur kurz an und fahre ich einen Teil der Abfahrt noch trocken herunter als wieder der Regen einsetzt, der diesmal bis in den frühen Morgen anhält.

Passo dell Aprica (22:11) http://www.quaeldich.de/paesse/passo-dell-aprica/
Bei der zweiten Auffahrt zum Aprica macht es etwas weniger Spass als beim ersten mal, aber der Regen ist nicht besonders stark und die Temperatur noch recht angenehm. Die schon bekannte Abfahrt Richtung Tirano ist auch bei Dunkelheit problemlos zu fahren.
Bei der Auffahrt fahre ich mit einem Licht, während der Abfahrt habe ich beide Beleuchtungen an und das Begleitfahrzeug fährt direkt hinter mir und leuchtet noch zusätzlich die Straße aus.