Paris-Brest-Paris

Geschrieben von Armin Huber.

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Paris-Brest-Paris 2007
Das älteste Langstreckenrennen mit 1227 km und 10000 Hm in 57:07 Stunden
Gefahren von RV Pfeil Tourenfachwart Armin Huber

31.03.2007 Brevet 200 km
14.04.2007 Brevet 300 km
27./28.04.2007 Brevet 400 km
17./18.05.2007 Brevet 600 km
21.-23.08.2007 Paris-Brest-Paris 1227 km

Tue zuerst das Notwendige
Dann das Mögliche
Und Du schaffst das Unmögliche !
C.Czycholl (Audax Randonneurs Allemagne)
Armins Rückblick auf
Paris-Brest-Paris 2007
Von der Idee zur Realisierung
Bereits vor ein paar Jahren habe ich auf gemeinsamen Touren mit Jörg Huttenlocher diskutiert über eine Teilnahme bei Paris-Brest-Paris, mit einer Strecke von über 1200 km und einer Tradition seit 1891 DIE Langstreckenveranstaltung für Hobbyfahrer. Nicht nur über das Rennen selbst, sondern auch über die etwas aufwendige Qualifikation dafür.
Die Qualifikationsbrevets mit 200, 300, 400 und 600 km bin ich von Ende März bis Himmelfahrt gefahren und nach der Einreichung aller notwendigen Unterlagen bin ich für die "Olympiade der Randonneure" angemeldet, jetzt muss ich die Strecke nur noch fahren.
Die Bestzeit von etwa 45 Stunden ist nur für wenige interessant (die meist an den Kontrollstellen von eigenen Begleitfahrzeugen umsorgt werden), für die restlichen Teilnehmer heißt es dabei sein und ankommen. Ankommen ist auch mein Ziel, möglichst bis zum Abend des dritten Tages, also etwa 65 Stunden.
Jörg ist leider nicht mehr beim Radsport aktiv, aber mit Georg Fenzke und Michael Poplawski aus Kanada sind zwei weitere Pfeilmitglieder mit dabei, auch wenn wir diesmal nicht zusammen fahren werden.

Endphase der sportlichen Vorbereitung
Die Brevets von 200 bis 600 km, die ich von Ende März bis Himmelfahrt gefahren bin, sind schon längst vorbei. Ein gutes Training ist die RV Pfeil Alpentour Mitte Juli, bei der ich als Tourenführer fast 1000 km mit 23000 Hm fahre. Insgesamt bin ich in diesem Jahr bis zum Start in Paris weit über 10000 km gefahren.
Am Wochenende 4./5. August fahre ich meine letzten Marathonstrecken.
Bereits um 3:40 Uhr starte ich in Tübingen und bin dann nach 80 Kilometern und zwischenzeitlicher Gepäckdeponierung bei meinen Eltern am Start des Supercups in Calmbach.
3000 Hm gibt es auf einer Strecke von 202 km, zusammen mit meiner Extratour vom Mummelsee auf die Hornisgrinde und der Rückfahrt nach dem Ziel komme ich dann auf 330 km mit 4600 Hm.
Am Sonntag Morgen fahre ich nochmal auf die Höhen des Nordschwarzwalds, bevor ich über das Glatttal und Kloster Kirchberg nach 205 km Tübingen erreiche.
Lange Strecken kann ich also noch gut fahren, aber ansonsten sieht es mit der logistischen und mentalen Vorbereitung für den Höhepunkt des Jahres katastrophal aus, die Motivation ist noch sehr niedrig. Auch die sehr schöne Tagestour in den Nordschwarzwald am 12. August läßt noch keine richtige Motivation aufkommen, obwohl mir das Radfahren viel Spaß macht .

Donnerstag 16. August - Bergzeitfahren
Das Hotel ist gebucht und die Hinreise geklärt an meinem letzten Arbeitstag vor der Tour, das gibt mir zumindest eine gewisse Gelassenheit.
Am Abend gibt es beim 10. Tübinger Bergzeitfahren den letzten Formtest.
Trotzdem ich einige Kilogramm von meinem Idealgewicht entfernt bin, knacke ich mit meinem neuen Trekkingrad die 6 Minuten und stelle mit 5:53 eine neue Gesamt-Jahresbestzeit auf.
Die Leistung ist top (etwa 450 Watt) und Fettreserven müssen auf einer langen Strecke kein Nachteil sein.
Meine Motivation steigt gewaltig an.

Freitag 17. August - Abfahrt von Tübingen

Da die Zugverbindungen mit Fahrradmitnahme von Tübingen nach Paris extrem schlecht sind (abgesehen vom ausgebuchten Nachtzug), benutze ich bis Straßburg das Fahrrad als Transportmittel.
Nachdem ich einige Dinge erledigt habe, alle Sachen gepackt, die RV Pfeil Homepage noch mit den neuesten Informationen zu PBP aktualisiert habe fahre ich zu meinen Eltern an den Rand des Nordschwarzwalds als erste Etappe der Hinfahrt.

Samstag 18. August - Fahrt nach Paris
Ich fahre vom Schwarzwaldrand über Freudenstadt und Zuflucht (wo ich bereits das dritte Mal innnerhalb von zwei Wochen bin) hinunter nach Oppenau und weiter nach Oberkirch. Problemlos finde ich schöne Strecken im Rheintal bis Kehl und das einizge, was meine Freude am Fahren etwas einschränkt ist der Rucksack auf dem Rücken.
Ich überquere den Rhein und erreiche nach 4 Stunden den Bahnhof in Straßburg.
Dort stelle ich fest, dass für den Zug gar kein Gleis angegeben ist und diese Angabe erst 20 Minuten vor der Abfahrt auf dem Monitor erscheint. Als nicht ganz einfach erweist sich die Unterbringung des Fahrrads im Zug, aber ich und die anderen Radreisenden schaffen es, alle Räder in einem schmalen Gang um zwei Ecken in das kleine Fahrradabteil zu bugsieren.
Auf der Fahrt nach Mulhouse führt die Bahnstrecke an den Vogesen entlang, die Sonne scheint und ich erblicke die Haut Koenigsbourg, auf der ich mit anderen Pfeilern bei den Trainigstagen Ende Februar stand. Die angenehmen Erinnerungen lassen meine Zuversicht auf eine erfolgreiche Teilnahme wachsen.

Um 17:15 Uhr erreiche ich Paris Est und fahre ins Stadtzentrum und dann an der Seine entlang, vorbei am Louvre und dem
Eiffelturm, ich bin jetzt auch geistig in Paris angekommen. Auf dem Weg nach Versailles gibt es zwischendrin noch eine 16%-ige Steigung bevor es wieder flacher bis zu meinem Hotel westlich des Startorts geht.
Vom Hotel schaue ich noch nach Verpflegungsmöglichkeiten und habe dann am Tagesende über 160 km auf dem Tacho.