transalplight07®

Geschrieben von Expeditionsteam Mountainbike.

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Teilnehmer: Bernd Stickelmayer, Klaus Greif, Andreas Nerger und Boris Nestle

Sonntag, 05. August 2007

Um 05:30 Uhr beginnt die Tour mit der Abfahrt in Tübingen. Nach gut vierstündiger Autofahrt und kurzem Zwischenhalt erreichen wir Martigny (Rhonetal, Schweiz). Hier geht es erstmal auf vielbefahrenem Asphalt den Berg hinauf Richtung Grossen Sankt Bernhard. Nach dem Abzweig ins Val Ferret umfängt uns herrliche Bergnatur hinauf zum Grand Col Ferret (2.537 m). Mit atemberaubendem Blick in die Gletscherwände des Mont Blanc Massives stürzen wir uns steil hinunter nach Italien zu unserem Übernachtungsquartier Rifugio Elena. Dieses, von Achim Zahn als „Privathütte mit Komfort“ bezeichnete Haus, erweist sich als unsere schlechteste Unterkunft der folgenden Woche.

(45 km, 1.970 hm, Fahrzeit 4 h)

Montag, 06. August 2007

Nach dem Frühstück geht es 900 hm abwärts im Val Ferret nach Courmayeur, wo wir unser zweites Frühstück einnehmen und Abschied von Bernd nehmen. Er musste leider gesundheitsbedingt die Rückreise frühzeitig antreten: Er nahm die 140 km Abkürzung über den Grand Bernard zurück nach Martigny. Diese Etappe mit 2.000 hm war die längste der ganzen Tour.

Wir drei bewegten uns über Seitenmoränen hinauf im Val Veny zum Col de la Seigne (2.515 m). Dieser stellt die Grenze zwischen Italien und Frankreich dar und bietet einen wundervollen Blick auf den Mont Blanc. Danach folgten die besten Downhills der Tour hinunter ins Val des Glaciers und dann auf Tour de France bewährter Straße nach Bourg St Maurice (813 m). Nachdem Klaus seine akrobatischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatte und wir in einem Cafe eingekehrt waren folgten wir der Tour de France Etappe hinauf nach Tignes (1.797 m). Hier empfängt uns –zum Ausgleich des Vortages- das beste Hotel der Tour. Zugleich kündigt sich aber auch ein Begleiter für die kommenden Tage an: Eine kurze Wetterstörung über den Alpen: Es regnet.

(80 km, 2.200 hm, 6 h Fahrzeit)



Dienstag, 07. August 2007

Nach kurzer Wetterberuhigung starten wir in den ersten Regentag. Nach dem Anstieg zum Lac de Tignes (2.093 m) schieben wir auf Andreas Anraten eine 33 % steile Skipiste hinauf zum Col de Fresse (2.535 m). Hier werden wir von Murmeltieren erwartet. Nach einem extrem kurzen Blick auf die Karte verirren wir uns im Gebiet vom Roch d Bellvarde (2.700 m). Nachdem wir die interessanten aber unnötigen 4X4-Trails wieder verlassen hatten erwartet uns ein weitgehend fahrbarer Hochgebirgstrail über den Col de la Leisse (2.741 m). Entlang des La Motte-Gletschers cruisen wir weiter zum Refuge de la Leisse (2.487 m). Nach einer Kaffeepause sehen wir der Wirklichkeit ins Auge und schieben angesichts drohender drakonischer Geldstrafen (68€/Person) 3 Stunden durch den Nationalpark Vanoise zum Refuge Entre deux Eaux (2.120 m): Super Speckomlett und Heidelbeercrepe. Der Regen begleitet uns bis zu unserer Unterkunft in Termignon (1.280 m) im Arctal.

(50 km, 1.700 hm, 6 h „Fahrzeit“)

Mittwoch, 08. August 2007

Von Termignon folgen wir der alten Höhenstraße nach Modane. Ab hier beginnt ein Abenteuer der besonderen Art: Mit einer Maximalsteigung von 160 % schrauben wir uns in Matsch und Regen, der Wegmarkierung „GR5“ folgend im Val Fréjus zum Vallée Etroite hinauf. Um zum Col de la Vallée Etroite (2.445 m) zu kommen, fahren und schieben wir auf zum Teil steilster Militärpiste und später auf weitgehend fahrbarem Trail hinüber nach Italien. Für Downhiller bestens geeignete Strecken bringen uns über Refuge Maggi (1.765 m) bis hinunter in den Olympiastandort Bardonecchia. Nach einer kurzen Rast mit Cacao und Pizza fahren Boris und Klaus in Andreas Hinterreifen-Dauerdusche (Albert lässt grüßen) über Oulx hinauf nach Fenils (1.300 m). Glücklicherweise finden wir hier Quartier in einem Agritourisme-Bauernhof und für den langen Abend eine adäquate Pizzaria wo wir zum Trost die gesamte Speise- und Getränkekarte durchprobierten.

(65 km, 2.000 hm, 5,5 h Fahrzeit)

Donnerstag, 09. August 2007

Die Königsetappe beginnt bei leichter Wetterberuhigung auf vorerst fahrbarer 72-Serpentiniger Militärstraße. Nach fünf Kilometern endet die Straße in verblocktem Gelände und unser Lieblingssport steht wieder auf dem Programm: Schieben mit kurzen Unterbrechungen durch Tragen. Kurz vor dem Pass beginnt es bei 3 °C zu graupeln wodurch sich die Gelegenheit zum Umziehen und zu einer Diskussion betreffend des Abbruches der Veranstaltung bietet. Ergebnis: Boris und Klaus stellen die völlig deplazierten Bikes in einer Serpentine ab; Andreas muss sein Rad für den Fototermin mit nach oben nehmen. Auf dem fast naturbelassenen Gipfel des Mont Chaberton erwarten uns neben acht Geschütztürmen der höchste „anfahrbare Punkt“ der Alpen (3.131 m).

Der Weg nach unten gestaltet sich unterschiedlich: Zunächst war die Gruppe zweigeteilt: Ein strahlender Andreas auf dem Bike und seine zwei Begleiter zu Fuß. Nachdem Nobby Nic die Puste ausging musste sich allerdings auch Andreas zu den Fußgängern gesellen. Ab Passhöhe (2.730 m) ging es gut fahrbar (3-Sterne-Abfahrt) bis nach Fenils zurück. Da die Königsetappe bis dato nur prinzenhaft war ging es noch ins nahegelegene Cessana Torinese zum Kaffee und Stadttratsch und Futtereinkauf für ein reichhaltiges Abendessen.

(33 km, 1.950 hm, 5 h Fahrzeit)

Freitag, 10. August 2007

Um eine gleichmäßige Abnutzung des Ritzelpaketes zu gewährleisten, ging es auf dem 11er Ritzel in hohem Tempo leicht bergab nach Chiomonte. Von dort mit der Bahn nach Turin zu einer ausgiebigen Stadtrundfahrt mit Mittagessen. Am Nachmittag brachte uns die italienische Bahn „Trenitalia“ entlang des Ortasees mit schönen Blicken zum Monte Rosa nach Villadossola (280 m) am Alpenhauptkamm. Trotz der entsetzten Gesichter der ansässigen Bevölkerung nehmen wir den Anstieg zum Lago di Antrona (1.073 m) in Angriff und finden dort tatsächlich Unterkunft in der einzigen Hütte. Das Abendessen war sowohl vielseitig wie reichhaltig, außerdem bekommen wir detailliertes Kartenmaterial über unser Expeditionsgebiet.

(58 km, 1.000 hm, 4,5 h Fahrzeit)

Samstag, 11. August 2007

Wir verlassen nach einem „reichhaltigen“ Frühstück das Basislager am Lago di Antrona und schrauben uns zum Lago di Compliccioli (1.352 m) hinauf. Auf einer Schmalspurbahnlinie hoppeln wir den See entlang bis das Ende der Fahrt naht. Nach einer kurzen Einweisung in die neuesten Erkenntnisse der Tragetechnik durch Andreas klettern wir in die grüne Hölle des Antronatals. Auf ungefähr 2.000 m treffen wir auf Wanderer, die uns freundlicherweise auf die Beschaffenheit der folgenden Wegstrecke aufmerksam machen: Weitere 800 hm, in bis zu 20 cm Neuschnee auf klettersteigähnlichen Wegen seien mit unserer Ausrüstung nicht erfolgreich durchführbar. Wir brechen die Expedition ab, da niemand von uns die Rettungs- bzw. Bergungskosten bezahlen wollte. Frohgemut pfeifend tragen wir unsere Räder nach unten.

Die Talfahrt nach Villadossola verläuft unspektakulär und auf Rennradniveau. Klaus übernimmt das erste Mal in dieser Woche das Tête de Peloton. In Villadossola trinken wir noch die neueste Kreation der Kaffeeindustrie: Cafe Sprite, beschwatzen den Busfahrer nach Issele, dass er uns samt Räder mitnimmt und besteigen dort den Pendel-Simplon-Autozug nach Brig. Ein freundlicher Rennradfahrer -so was soll es ja auch geben- nennt uns eine adäquate Unterkunft in Naters, bei Brig. Nach dem Abendessen beginnt der obligatorische Rundgang mit Besichtigung des größten Schweizer Beinhauses und anderer kultureller Sehenswürdigkeiten in Naters.

(24 km, 1.000 hm, 7 h Fahr bzw. Gehzeit)

Sonntag, 12. August 2007

Unser Hotel hat sonntags geschlossen und wir haben größte Mühe unsere Räder wieder zu bekommen. Dies stört zwar niemanden, senkt allerdings den Wiederverkaufswert unserer Bikes beträchtlich.

Jetzt beginnt der Urlaub: Strahlende Sonne, Kaffee und Kuchen im Straßencafe und Besichtigung des Stockalperschlosses. Gegen Mittag holt Bernd das Team in Brig ab und karrt es über fast alle Alpenpässe nach Tübingen zurück.

Trotz der widrigen Umstände gab es in der ganzen Woche kaum schlechte Laune und Pannen. Und vor Allem kamen wir alle sturzfrei wieder nach Hause.

Wir bedanken uns bei Bernd für die Transporte!