Bike&Hike 2018 Liechtenstein

Geschrieben von Armin Huber.

Bike and Hike 2018
Der größte vollständig in den Alpen liegende Staat wird den meisten wohl weniger als Alpenland, sondern eher als Steueroase bekannt sein, aber man kann dort auch sehr schöne Bergtouren unternehmen.


Kurz etwas Statistik zum Alpenland Liechtenstein:
Der höchste Punkt des Fürstentums ist die 2599 m hohe Grauspitze, der am wenigsten bestiegene Gipfel der "Seven Summits der Alpen" (die jeweils höchsten Gipfel der Alpenländer, Monaco mangels herausragender Erhebung ausgenommen, bei Italien wird der vollständig dort stehende Gran Paradiso genommen, auch wenn es an der Grenze zu Frankreich und der Schweiz einige höhere Gipfel gibt).
Die Grauspitze ist Luftlinie nur etwas mehr als 6 km vom unter 500 m ü.M. liegenden Rhein entfernt, zum ersten 2000er sind es vom Rhein gar nur 3,5 km.
Unser Ziel, der 2570 m hohe Naafkopf, ist deutlich einfacher zu erreichen und ein Dreiländergipfel auf der Grenze zwischen Liechtenstein, Österreich und der Schweiz.

Diesmal soll es wieder ausschliesslich mit Muskelkraft ab dem Uhlanddenkmal in die Berge gehen. Wir fahren die gut für Nachtfahrt geeignete Talheimer Steige hoch und wie meistens ist es nachts etwas frisch auf der Alb. Schon an der ersten Verpflegungsstelle dezimiert sich die Gruppe um ein Drittel und wir rollen zu viert weiter an den Bodensee, wo wir an der letzten Bäckerei vor der Grenze nochmal Verpflegungsstopp machen.
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Es wird langsam hell nach dem Deggenhauser Tal

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Auf dem Rheindamm, links die Drei Schwestern in Liechtenstein
Am Rhein entlang werden die Berge links und rechts höher, aber wir rollen immer noch flach ins Fürstentum hinein zur letzten Verpflegung vor dem einzigen ernsthaften Anstieg der Tour.

Der Schlussanstieg nach Malbun ist laut "Quaeldich-Härte" der bisher anspruchsvollste der mittlerweile 5 Bike&Hike-Touren, er hat so viele Höhenmeter wie wir auf den mehr als 200 km bis dorthin insgesamt gesammelt haben. Vor allem die Mädels haben gehörig Respekt, Ingrid ist deutlich weniger gefahren als in anderen Jahren und für Anastasia ist es der erste Anstieg in den Alpen überhaupt, die Mont Ventoux Besteiger Andi und Armin sind da deutlich gelassener.
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Schloss Vaduz

Ich fahre entspannt am Schloss Vaduz vorbei und weiter hinauf Richtung Triesenberg, als ich es von hinten wie eine Dampflok schnaufen höre. "Der packt das nicht mehr" meint sich der wohl etwas über seine Verhältnisse fahrende Rennradler ein Urteil über unseren Schlussfahrer Andi bilden zu können, als ich kurz etwas beschleunige tut sich gleich eine große Lücke zu dem Renner auf.
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Weder flache Abschnitte noch Schatten gibt es bis zum Tunnel vor Steg, aber einige schöne Brunnen um sich zu erfrischen. Die letzten Kilometer fordern noch einmal vollen Einsatz und dann ist die Radstrecke nach 220 Kilometer auf einer Höhe von 1600 m geschafft, natürlich haben es alle "gepackt".

Bergwanderung       
Andi hat wieder einen Abstellplatz für die Räder organisiert und nach Umziehen geht es los auf dem Fürstin-Gina-Weg  in Gegenrichtung über die Tällihöhi zur Pfälzer Hütte. Richtung Rheintal zeigt sich blauer Himmel, aber die Gipfel bleiben in Wolken.
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Zum ersten Mal ist beim Bike&Hike der Gipfel nicht zu sehen, wobei wir in der Vergangenheit auch schon Ersatztermine genutzt hatten, da wir es am ursprünglichen Termin wegen schlechtem Wetter wohl nicht einmal bis zum Start der Wanderstrecke geschafft hätten. Und wer bei schlechtem Wetter dann auch noch zu einer Bergtour aufbricht gefährdet nicht nur sich selbst, sondern möglicherweise auch noch die Frauen und Männer der Bergrettung.
So schlecht ist das Wetter nicht, aber um ohne Sicht auf dem Gipfel zu stehen hat keiner mehr Motivation, da alle nicht mehr ganz frisch sind und man bei zu langsamem Tempo sogar das Abendessen verpassen würde.

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So begnügen wir uns ganz entspannt mit einigen Höhenmetern zum Hüttenkogel, manchmal muss man es einfach so nehmen wie es kommt.
Ganz abgehakt ist der Gipfel des Naafkopf aber noch nicht, wenn dann morgen früh schauen wie das Wetter aussieht und was die Beine sagen. Das Schlafdefizit durch die Nachtfahrt zeigt Wirkung und so sind wir nach dem Abendessen schon bald eingeschlafen.

 

Am nächsten Morgen sieht es sehr gut aus und bei mir fühlen sich auch die Beine bestens an.

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Der Naafkopf von etwas oberhalb der Pfälzer Hütte
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Auf dem Gipfel des Naafkopf auf 2570 m

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Gipfelausblick vom Naafkopf Richtung Südosten

Leichten Schrittes gehe ich hinauf und bin nach eine Dreiviertelstunde auf dem Gipfel des Naafkopfs mit herrlicher Rundumsicht, im Süden bis zur Bernina. Da lässst es sich leicht verschmerzen, dass das Nonstop-Bike&Hike am ersten Tag unvollendet geblieben ist.
Zum Frühstück mit den anderen bin ich schon wieder unten auf der Hütte und gemeinsam geht es dann auf dem Fürstin-Gina-Weg weiter zum Gipfel des Malbuner Augstenbergs, oft auf dem Grat entlang mit Aussicht zu beiden Seiten, ab und zu auch sehr felsig mit gesicherten Stellen.
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Der erste Steilaufschwung, unten die Pfälzer Hütte

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Auf dem Gipfel des Augstenbergs, mit 2359 m der höchste Punkt des Fürstin-Gina-Wegs

Der Augstenberg ist der höchste Berg Liechtensteins, der nicht auf der Grenze zu Österreich oder der Schweiz liegt.

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Ausblick vom Augstenberg nach Norden, rechts unten Malbun

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Ausblick vom Augstenberg nach Süden, rechts über dem Wegzeiger der Naafkopf

Als Gipfelsammler besteige ich davor auch den Nebengipfel des Augstenbergs, der kurioserweise ein paar Meter höher ist als der Hauptgipfel mit dem Gipfelkreuz und danach noch den Spitz.

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Torbogen des Wildmannschilchli
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Blick zurück kurz vor dem Sessellift, rechts oben der Augstenberg

Viele Wanderer kommen uns vom Sessellift Sareiserjoch entgegen, vom Chalbergrad haben wir dann einen schönen Tiefblick zum Nenzinger Himmel. Der Torbogen des Wildmannschilchli mit vielen Felszähnen ringsum wäre sicher sehr viel besucht, wenn es dorthin einen guten Wanderweg geben würde. Die sehr schöne Bergwanderung beenden wir mit einer Einkehr am Bergrestaurant und schweben dann mit dem Sessellift hinunter zu unseren Rädern.

Mit viel Gefälle rollt es jetzt ganz von alleine, nach dem Tunnel auch mit sehr schönen Ausblicken auf das Rheintal und durchschnittlich noch etwas steiler als bei unserer Auffahrt, die wegen Einbahnstraße auch nicht überall als Abfahrt gefahren werden kann.
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Abfahrt hinunter ins Rheintal

Zurück geht es nicht auf dem Rheindamm, sondern über den Schellenberg und in Österreich mutieren wir dann zu Highlandern. Da fährt es sich gut, wenn an jedem Kreisverkehr der eigentlich vorfahrtberechtige Verkehr durch Streckenposten angehalten wird. In Hohenems werden wir vom Streckenposten auch Richtung Ziel durchgewunken, nur dem Zielsprecher kommt unser Quartett etwas merkwürdig vor und ist mit "Wo kommen diese Leute her?" zu vernehmen.
Nach Eisessen in Bregenz und lockerem Ausrollen bis Lindau ist die Tour geschafft und auch das Abenteuer Bahnfahren überstehen wir vollkommen unbeschadet.
Es war wieder mal eine schöne Tour und für uns alle die erste Bergtour in Liechtenstein (den Anstieg bis Malbun bin ich bei meiner Verlängerung des letzten Bike&Hike 2016 schon gefahren)
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Ende der Tour in Lindau, hinten die Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm



Herbst-Bike&Hike in den Festsaal der Alpen oder Probefahrt für Bike&Hike 2019
Erst als ich Mitte Oktober als Wochenendtour mit Start in Lindau um 0:15 Uhr über Lenzerheide und Albulapass ins Oberengadin gefahren bin ist mir bewußt geworden, wie lange ich dort schon nicht mehr war. Meine letzte Befahrung von Bernina und Albula war im Juni 2009 nachts im Dauerregen beim RATA, bei Tag waren wir 2008 auf der Rückfahrt von Tübingen-Comer See nonstop am Berninapass und Julierpass, als Bergsteiger liegen die mehr oder weniger anspruchsvollen Touren wie z.B. Überschreitung des Piz Palü oder Piz Languard noch länger zurück.
Den Albula bei so tollem Herbstwetter zu fahren ist einfach ein Traum, besonders gefallen hat mir der Lai da Palpuegna etwa 400 Hm vor der Passhöhe und auch die immer wieder zu sehende Albulabahn.
Nachmittags besteige ich noch den 3206m hohen Munt Pers, nach Übernachtung auf der Diavolezza morgens die 3000er Sass Queder und Piz Trovat direkt gegenüber der Nordwand des Piz Palü. Auf der Fahrradrückfahrt bis Chur sind der Lej da Staz, die lange Abfahrt vom Julierpass und am Schluss die Ruinaulta, der "Grand Canyon der Schweiz", weitere Höhepunkte.
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Ausblick vom Piz Trovat zur Berninagruppe mit Piz Cambrena, Piz Palü, Bellavista, Piz Bernina und Piz Morteratsch

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Ausblick vom Piz Trovat über die Berninastraße bis zum Piz Kesch und Ortler

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Der Lej da Staz zwischen Pontresina und St. Moritz

Nach den strengen Regeln des RV Pfeil Nonstop-Bike&Hike wäre der Munt Pers ein sehr ambitioniertes Ziel, nicht nur wegen der großen Länge der Radstrecke von 330 km, sondern vor allem weil diese auf den letzten 100 km viele Höhenmeter hat.
Mehr Genuß hat man sicher wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt und ein paar Tage dort bleibt, was auch die Möglichkeit für weitere Bergwanderungen eröffnet.
Für Schweizer Verhältnisse günstig ist z.B. die Jugendherberge in St. Moritz, wo auch schon unser Vereinskollege Steffen Warias mit dem deutschen Paracycling-Team fürs Höhentrainingslager Quartier bezogen hat.
Ab zwei Übernachtungen sind dort die Bergbahnen und öffentlicher Nahverkehr inklusive.
So kann man z.B. durch die Seilbahn zur Diavolezza Zeit und Kraft sparen und frisch zur einfachen Bergwanderung auf den Munt Pers, den anspruchsvolleren Klettersteig auf den Piz Trovat oder zur Gletscherwanderung über den Morteratschgletscher starten.
Vor mehreren Jahren gab es schon eine ähnliche Tour im Pfeilprogramm, allerdings mit sehr geringer Resonanz.
Vielleicht gibt es für eine Tour mit 4 Tagen bis maximal eine Woche Ende Juli 2019 mehr Interessenten.
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Bike Hike Engadin 2018 Armin