Hannah Fandel startet durch

Geschrieben von Hannah Fandel.

"Wie ich zum Radsport gekommen bin, ist eigentlich mehr oder weniger Zufall…"

Hannah Mont Ventoux Sieg 240

Hannah bei der Siegerehrung des ext linkSantini GF Mont Ventoux über 135 km von Vaison-La-Romain auf den Gipfel des Mont Ventoux.. 
Sie hat für uns ihren Weg zum Radsport beschrieben 
 
 
"Vielleicht hat der ein oder andere der Pfeiler schon einmal von mir gehört (ins besondere in den letzten Wochen), mich bei den Radtreffs gesehen oder ist schon einmal mit mir Rad gefahren. Wenn ich nicht in der Uni bin, trifft man mich eigentlich fast nur auf dem Rad..
 
Seit Frühjahr 2015 wohne ich in Tübingen und studiere Medizin, mittlerweile im 7. Semester. Damals war der Radsport noch eher weit weg. Eigentlich komme ich aus Saarbrücken aus dem Saarland und bin dort lange Zeit gerudert. Als ich dann fürs Studium nach Tübingen kam, wollte ich den Rudersport beibehalten, doch irgendwie hat es mit Trainer, Trainingspartnern (weil ich so klein und leicht bin),… nicht so ganz gepasst.
 
Inspiriert wurde ich dann 2015 vom Tübinger Triathlon und im darauffolgenden Jahr begann ich dann mit Rennrad fahren. Aber noch ohne Klickpedale - aus Angst man könne umkippen. Bei meiner ersten Rennradausfahrt wurde ich von einem Auto angefahren, zum Glück nur ein paar Prellungen. Im April letzten Jahres (2017), nachdem es meinem Knie nach einer OP (wegen eines weiteren Radsturzes) wieder gut ging, begann ich dann richtig mit Rennrad fahren. Damals war in der Gruppe fahren Neuland für mich und schneller als 40 km/h traute ich mich nicht den Berg hinunter zu fahren. Das große Blatt benutzte ich nie. Ich war froh mich den Radgruppen des RV Pfeil und des Post-SV anschließen zu können, denn wenn ich allein fuhr, verfuhr ich mich jedes Mal. Außerdem schätze ich die netten Gespräche mit meinen Mitfahrern, die tolle Landschaft von Alb und Neckartal, und was ich heute immer wieder feststellen muss: Irgendwie ist jede Radausfahrt ein kleines Abenteuer. 
 
Die ersten Triathlon-Wettkämpfe kamen, und das Rad fahren war immer meine stärkste Disziplin. Auch vergangenen Winter fuhr ich mit Crossreifen mit etwas mehr Profil durch - sogar wenn das Wasser in meinen Flaschen gefror.
Im Trainingslager im März/April des Post-SV in der Toskana  (mit neuem Rennrad) habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich Fortschritte auf dem Rad gemacht haben musste: Ich konnte nicht nur im Windschatten der radfahr-starken Post-SV-Jungs fahren, um dran zu bleiben, sondern auch mal Tempo machen am Berg und auf der Ebene. 
 
Dass ich ein Radrennen diese Saison fahren würde, hatte ich im Hinterkopf, doch eigentlich stand der Triathlon im Vordergrund, da ich für die Frauen Landesliga eingeplant war.
Doch dann stürzte ich (mal wieder) vom Rad durch einen unglücklichen Unfall: Am Berg sprang die Kette ab, ich stürzte und ich brach mir den Arm. Schwimmen war bis auf Weiteres passé.
In Singen fuhr ich mein erstes Radrennen, Jedermann, ohne Konkurrenz und wurde 1. Frau.
 
Drei Wochen später war mein erste längeres Rennen: Gran bzw. Medio Fondo Schleck in Luxemburg. Das Rennen lief gut, viel zu gut. Ich war sogar in einer Gruppe unter den fünf ersten Frauen. Unglücklicherweise, kam es 5 km vorm Ziel zu einem Massensturz. Mir passierte zum Glück nichts, aber der Rahmen meines wenige Monate alten Rennrades brach. Das war der Moment, in dem ich das Radfahren eigentlich an den Nagel hängen wollte… 
 
Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es nicht getan habe! So hart es auch klingt: Aber das Stürzen gehört im Radsport wohl auch dazu. Und auch, dass es in Radrennen zur Sache geht: Kein sauberes „Zweierreihe“ fahren wie man es aus den Rad-Treffs kennt, mal einen Ellbogen abbekommen ist normal…eben richtiges „Racing“.
Da ich nicht mehr schwimmen konnte und zwischenzeitlich auch am Fuß verletzt war, konzentrierte ich mich nur noch aufs Rad fahren. 
 
Neben der Uni, arbeite ich derzeit (mehr oder weniger) an einer Doktorarbeit in der Psychologie und in der Klinik, wo ich morgens vor der Uni  (ab 6/5.30 Uhr) Patienten Blut abnehme. Man muss sich schon organisieren, um alles unter einen Hut zu bekommen, vor allem auch mit den Wettkämpfen. Aber das Rennrad fahren ist zwischen all dem Lernen und Arbeiten ein Ausgleich für mich. Da ich es einfach liebe, draußen in der Natur zu sein (aber auch kein Problem habe, mich mal 1-2H auf der Rolle zu quälen ).
 
Mitte Juni (drei Wochen nach dem Sturz in Luxemburg) startete ich bei dem Grand Fondo Mont Ventoux. Den „Giganten der Provence“ hatte ich schon ein paar Mal im Urlaub erklommen und kannte daher einen Großteil der Strecke, die wirklich einzigartig ist! Bei dem Rennen hatte ich Glück und bekam eine gute Männer-Radgruppe, in der ich die 115 km bis zum Fuße des Mont Ventoux fuhr. Mit ein paar Kilometern und Höhenmetern in den Beinen, fällt einem der Anstieg dann doch nicht mehr ganz so leicht. Dass ich wirklich 1. Frau wurde in nur 5:09:06 Stunden, erfuhr ich erst viel später und konnte es lange nicht glauben! 
 
Hannah Mont Ventoux Sieg600
 
Genauso wenig wie ich nur eine Woche später in Ilsfeld/Auenstein in der Bundesliga und bei der DM Berg startete. Dass zu Radrennen auch viel Taktik und Technik gehört, bemerkte ich da das erste Mal: Ich bekam keine gute Radgruppe, und fuhr die Weinberge eher im Grundlagenausdauer-Tempo hoch. Dann wagte ich es doch „auszubrechen“,  schaffte es 2 Radgruppen einzuholen. Am Ende erreichte ich den 28. Rang (von 60) in 2:34:19 Stunden auf fast 82km und 1600HM. Dafür, dass ich 3 der 9 Runden alleine gefahren bin und es mein erstes Bundeliga Rennen war, war ich mehr als zufrieden! Beeindruckt hatte mich vor allem, dass ich endlich einmal mit und gegen andere Frauen fahren konnte. (im schwarzen Trikot des Post SV mit weißem Helm)
 
Hannah Bundesliga
 
So kam es, dass ich eine Woche später bei den Deutschen Meisterschaften in Einhausen an den Start ging. 132km, 11 Runden, 180 HM, also eine quasi topfebene Strecke, eigentlich etwas, was mir nicht so liegt (da bin ich eher eine Bergziege). Toll fand ich allein schon, dort am Start zu stehen und wirklich mit der Deutschen Spitze zu fahren, auch wenn ich mir als Einzelstarterin gegen die ganzen Teams mit Taktik etwas unbeholfen vorkam. Doch auch dieses Rennen lief gut: Ich konnte gut im Hauptfeld mithalten und erreichte in 3:19:07 Stunden mit einem 46.Rang 25s nach der Siegerin Liane Lippert das Ziel. 
 
Hannah DM 800
 

Im Juli möchte ich nun noch den Schauinsland König fahren, das ein oder andere Rennen, und dann im August erst einmal eine Rennpause. In der Zeit werde ich Praktika machen und mir auch einmal eine Woche Urlaub gönnen: Nicht ganz ohne Radfahren, denn eine Alpenüberquerung mit dem Mountain-Bike ist ein Plan.

Im September geht es dann weiter mit 2 Bundeliga-Rennen und dem ein oder anderen größeren Rennen.

Größere Ziele habe ich derzeit nicht…einfach mal schauen, wo mich der Weg im Radsport hinführt: (Ich fahre ja gerade einmal nicht ganz 1,5 Jahre richtig Rennrad) In den Rennen so viel geben wie ich kann, etwas an meiner Technik arbeiten und natürlich den Spaß beibehalten. Vielleicht finde ich ja auch noch ein Radteam.

 
Dem Pfeil werde ich natürlich treu bleiben und ab und an auch mal eine Tour beim Radtreff führen, wenn Zeit und Uni es erlauben."
 
Bericht und Fotos von Hannah Fandel
Herzlichen Glückwunsch zu deinem steilen Weg nach oben, liebe Hanna - übrigens mit Pfeil-Lizenz