Am 13. März 1905 trafen sich in der Gaststätte Ritter sieben Radsportbegeisterte zur Gründung eines neuen, zweiten Radfahrervereins in Tübingen. Der damalige Preisverfall bei den Fahrrädern ermöglichte es in dieser Zeit breiten Bevölkerungsschichten ein Rad zu besitzen. Immer mehr Tübinger konnten sich somit dem Radsport widmen. Der Bedarf nach einem zweiten Radfahrverein bestand also.
Der RV Pfeil gründete sich darum neben dem "1888", in dem sich hauptsächlich Kaufleute und Akademiker zusammengeschlossen hatten. Weiter stand für die jungen Gründer die Geschwindigkeit, die man mit eigner Muskelkraft erreichen kann, im Mittelpunkt. Sie gründeten darum einen eigenen Verein und nannten ihn so, wie sie sein wollten und waren: "Pfeil" - schnell. Schon beim ersten Rennen machten sie ihrem Namen alle Ehre. Am 9. Juli 1905 belegte der damalige Vorsitzende Otto Sachs bei einem Radrennen in Tailfingen den ersten Platz. Weitere Erfolge folgten.
RV Pfeil um 1910
Otto Sachs
Erster Vorsitzender des Pfeil
Bald wuchs der Verein auf fast 100 Mitglieder an. Zwei Jahre nach der Gründung präsentierte der Pfeil im Rahmen eines großen Sport-Festes seine Größe. Die Tübinger Chronik berichtete nicht nur von einem Prachtwetter. Auch die sportlichen Leistungen waren prächtig.
Nur im Rahmen des Umzugs der Vereine durch die Stadt, dem so genannten Preis-Blumen-Korso, sollen "kleine Geschmacksverirrungen" angetroffen worden sein.
Die Gründungsmitglieder:
Otto Sachs
Wilhelm Ebner
Ferdinand Lutz
Otto Breuning
Albert Danner
Friedrich Schnaidt
Reinhold Schäfer
Georg Gaiser
Hermann Haug
Georg Markert
Leopold Hirsch
Christian Weiß
Hermann Storz
Wilhelm Rempfer
Der Beginn des ersten Weltkrieges bedeutete auch für den RV Pfeil einen Rückschlag. Viele Pfeiler fielen im Krieg. Die Vereinsarbeit konnte leider nicht weitergeführt werden.
Der erste Neuanfang
Am Kriegsende zählte der RV Pfeil noch neun aktive Mitglieder. Ihnen war es zu verdanken, dass die Radrennfahrer und die neu gegründete Radballmannschaft schon bald wieder an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Zum 25 jährigen Jubiläum kamen Radsportler aus der gesamten Region um dem Pfeil zu gratulieren.
So gut wie dem Pfeil erging es dem anderen Tübinger Radsportverein zu dieser Zeit jedoch nicht. Der 1888 konnte sich nicht so gut entwickeln wie der Pfeil. Weiter plagten ihn Schulden. Die beiden Vereine versuchten eine Lösung herbeizuführen. Es bestand der Vorschlag der Auflösung beider Vereine und anschließender Neugründung eines RV Tübingen. Da dies jedoch verständlicherweise den Pfeilern nicht gefiel, einigte man sich auf einen Zusammenschluss der Vereine unter dem Namen „Pfeil“. Die Schulden des 1888 wurden vor dem Zusammenschluss durch seine Mitglieder getilgt. Der nun gestärkte Pfeil konnte bei Straßenrennen weitere Erfolge verzeichnen.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Verein durch die Mitgliedschaft im neu gegründeten "Deutschen Radfahrer Verband“ gleichgeschaltet. Nach Kriegsbeginn wurden die ersten Mitglieder eingezogen. Die Vereinsarbeit konnte bald nicht mehr weitergeführt werden.
RV Pfeil um 1925
Der zweite Neuanfang
Die Situation nach dem zweiten Weltkrieg war wiederum nicht einfach für den Verein. Nach dem Krieg wurde der "Großsportverein Tübingen“ gegründet. In ihm waren alle Sportarten zusammengefasst. Die Pfeiler strebten aber schon bald nach Unabhängigkeit und waren die erste Sparte die sich vom Großsportverein löste.
In der Folgezeit blühte der Pfeil auf. Weitere Abteilungen wurden gegründet. Auch der Kunstradsport und Radballsport hatte seinen Platz im Verein. Mit dem Gewinn des Württembergischen Meistertitels 1950 im Radball und dem 5. Platz Otto Waiblingers bei der deutschen Meisterschaft im Einerkunstradfahren sind nur zwei der damaligen Erfolge genannt. Weiter sind der dreimalige Gewinn der Württembergischen Meisterschaft durch Ruth Roser und Klara Schmid im Kunstradfahren 1951, '52 und '53 zu erwähnen. Nicht zuletzt hatte der Pfeil mit Wilhelm Maurer einen A-Klasse Radrennfahrer, der zur württembergischen Elite gehörte, in seinen Reihen. Mit der verstärkten Motorisierung der Bevölkerung verloren viele Radsportvereine einen großen Teil ihrer Mitglieder. Viele mussten sich auflösen, da Motorräder und Autos das Interesse am Fahrrad schwinden ließen. Auch die Arbeit des Pfeil litt unter dieser Entwicklung.
Württembergische Meister im Kunstradfahren:
Ruth Moser und Klara Schmid
Der Radsport wird neu entdeckt
Heiner Schall 1971 beim Rennen in Wendelsheim anläßlich des 50-jährigen Jubiläums des RV Märchensee
Mit der Verteuerung des Öls und dem veränderten Umweltbewusstsein in den 70er Jahren erlebte der Radsport seine Renaissance. Die beiden Pfeiler Heiner Schall und Wolfgang Marx wurden Deutsche Vize Meister im Bergzeitfahren (1973 bzw. '75). Weiter gelang Wolfgang Marx der zweifache Sieg beim „Großen Preis der Solitude“, was keinem anderen sonst gelungen ist.
Auch auf die „Breitensportbewegung“ in den achtziger Jahren reagierte der Pfeil. Mit Rundfahrten um den Rammert weckte der Verein das Interesse am Radsport bei der Bevölkerung. Die Bemühungen zeigten schon bald erste Erfolge. 1985 hatten sich genügend rennsportbegeisterte Jugendliche im RV Pfeil gefunden um eine neue Mannschaft unter der Leitung von Heiner Schall und Heiner Fröhlich zu gründen. Mit dieser konnte an die Erfolge der 70er angeknüpft werden.
Auch die "Outdoor-Welle" Anfang der 90er Jahre wirkte sich auf den Radsport aus. Mit der Einführung des Mountainbikes in Deutschland bildete sich im RV Pfeil auch für diese Radsportler eine eigene Abteilung.
Wolfgang Marx und Heiner Schall 1973
Und weiter geht es
Dass der Pfeil immer noch ganz oben mitspielt, zeigen nicht nur die Erfolge des derzeit besten Pfeilers Nico Keinath. Dank der Organisation durch den RV Pfeil führte im Jahr 2000 die Deutschlandtour durch Tübingen. Über viele Jahre führte der RV Pfeil traditionell das Radrennen am Österberg (LBS Cup) durch.
RV Pfeil 2004
Der Verein heute
Heute ist der Radfahrverein Pfeil mit seinen über 130 Mitgliedern die Adresse für Rennradsport und Mountainbiking in Tübingen. Die Pfeil-Radtreffs, Eintages- und Mehrtagestouren finden bei sportorientierten RadlerInnen in der gesamten Region großen Anklang. Mit seinem erfolgreichem breitensportlichen Engagement konnte der RV Pfeil bei Vereinswertungen in Württemberg bereits mehrfach die vorderen Plätze belegen. Der alljährliche Radflohmarkt ist den Tübingern bestens bekannt und bekommt von Jahr zu Jahr mehr Zulauf.